Carl Ceiss

Samdt

Eine Novelle

Entstanden : 1984
Rechte : Alle Rechte beim Autor.


Diese Novelle erzählt von der achtzehn Jahre jungen Michaela Samdt, die in der Nähe vom Senefelder Platz in Berlin in den Jahren um 1980 lebte. Wir erfahren von ihren Lebensumständen und den Gründen, die sie zum Verlassen des Landes trieben, in welchem sie geboren war.
Die Geschichte dieser Ausreise basiert auf authentischen Ereignissen, die mit ihren banalen Beobachtungen des Alltags ein Schlaglicht auf eine heute teilweise vergessene Lebenswelt werfen.
Aus einer gutbürgerlichen Arztfamilie stammend, litt Michaela unter mangelnder Liebe und Familienbindung. Nach massiven Zwist in der Familie sucht sie sich eine eigene Behausung und zieh eine schmale Abstellkammer, wo sie mehr als ein Jahr vegetiert. Samdt ist umgeben von einem kleinen Kreis Freunde, Eva Treu, Sven Lautwein, Tobias Bernstein und Walter Katze, welche ihr letztendlich auch nicht die notwendige Geborgenheit vermitteln konnten.
Heute, über zehn Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer ermöglicht diese Geschichte differenzierte Einblicke in die Gedanken und Gefühle junger Menschen in Ostberlin jenseits der Klischees des westlichen Weltbildes. Sie waren nicht wie der Rosshändler Kohlhaas dafür geschaffen, sich kämpferisch oder anarchistisch mit ihrem Staat auseinander zusetzen, sondern ihre Natur war, wie Michaela auch, dafür zu samten. Diese Unfähigkeit der Deutschen, dem politischen System zivilen Widerstand entgegenzusetzen, hat an Aktualität leider nichts verloren.
Als eine Assoziation taucht in dieser Novelle der Minotaurus von Knossos auf, der sich in seinem Labyrinth durch das unaufhörliche Fressen der Jugend ernährte, wie jede Gesellschaft.

Geschrieben in den Jahren 1984/85, fand der damals fünfundzwanzigjährige Autor keinen Verlag, der den Abdruck in der DDR wagte. So geriet das Manuskript in die berühmte "Schublade" und wurde bei einem Umzug wieder gefunden. Auch gegenwärtig noch liegt die Novelle nicht gedruckt vor, diesmal dient der "Markt" den Verlagen als Begründung.


 

SEISMOCORDER VERLAG, Berlin

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